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Die Pummerin zu St. Stephan in Wien – die zweitgrößte Glocke Westeuropas

Die alte Pummerin, die in der Glockenstube des 136,7 m hohen Südturmes von St. Stephan hing, wurde am 12. April 1945 beim Brand des Domes zerstört und ging in Trümmer. Schon ihr Entstehen war bedeutsam; denn sie wurde nach der Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung im Jahre 1683 aus dem Metall eroberter Kanonen am 21. Juli 1711 vom Glockengießer Johann Achamer in Wien gegossen und am 15. Dezember des gleichen Jahres von Bischof Rummel geweiht. Ihr erstes Geläute ertönte, als Karl VI. am 26. Jänner 1712 von der Kaiserkrönung nach Wien heimkehrte. Ihr Gewicht mit Klöppel (Schwengel) und Joch betrug 22.511 kg, ihr Durchmesser 316 cm. Die Kosten für die Herstellung der Glocke beliefen sich auf 19.400 Gulden. Der ornamentale Schmuck zeigte den heiligen Josef mit dem Wappen von Böhmen und Ungarn, die Unbefleckte Empfängnis mit dem kaiserlichen Wappen und den heiligen Leopold mit dem österreichischen Wappen.

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Die neue Pummerin, die das Land Oberösterreich dem Stephansdom spendete, wurde am 5. November 1951 in der Glockengießerei St. Florian in Oberösterreich aus den Trümmern der alten Pummerin gegossen und am 24. April 1952 durch Kardinal Innitzer auf dem Stephansdom feierlich geweiht. Die Glocke hat einen Durchmesser von 314 cm, eine Höhe (einschließlich der Krone) von 294 cm, ein Gewicht (samt Klöppel und Scharnierschraube) von 21.383 kg. Das Gewicht des Klöppels beträgt 813 kg, das der Scharnierschraube 550 kg; die größte Wandstärke beträgt 23 cm. Der ornamentale Schmuck zeigt sechs Türkenköpfe auf den Armen der Henkelkrone, drei Bildreliefs, und zwar die Madonna (eine Rekonstruktion nach der alten Pummerin), eine Szene aus der Türkenbelagerung von 1683 und den Brand von 1945, ferner eine Weiheinschrift mit Wappen. Zum ersten Male wurde sie am 27. April 1952, nach der feierlichen Wiedereröffnung des Domes nach der Zerstörung von 1945, angeschlagen; im Herbst 1953 erhielt sie ein elektrisches Läutwerk. Im Oktober 1957 wurde die Pummerin auf den 68,3 m hohen Nordturm aufgezogen, der nun ihre ständige Heimstätte bildet.

Der Nordturm ist mit einem Schnellaufzug bequem zu erreichen.

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Die Schrift zum Türkenrelief besagt:

fVsa eX praeDa t VrCorVM Vrbe eXsangVI hostIs potentIa fortIter sVperata IvbILante (Jahreszahl: 1711, Gussjahr der alten Pummerin)

Übersetzung:

„Gegossen bin ich aus der Beute der Türken, als die ausgeblutete Stadt nach tapferer Überwindung der feindlichen Macht jubilierte. 1711.“

Die zweite Inschrift bezieht sich auf den Brand des Domes von 1945 und besagt:

ConfraCta InCenDII aestV rVI eX tVrrI

Vastata Vrbe beLLo angoreq Ve geMente (Zahl: 1945)

Übersetzung: „Geborsten bin ich in der Glut des Brandes. Ich stürzte aus dem verwüsteten Turm, als die Stadt unter Krieg und Ängsten seufzte. 1945.“

Oberhalb der Weiheinschrift 1951 befindet sich das Staatswappen, unterhalb eine Kombination aus den Wappen des Landes Oberösterreich, des Kardinals Doktor Innitzer, des Bischofs von Linz Dr. Josef Fließer und der Glockengießerei Sankt Florian.

Die Weiheinschrift besagt:

restaVrata theoDoro CarDInaLI InnItzer

henrICo gLeIssner na Vante

geIsz CarLo opIfICe

ConseCrata

regInae a VstrIae

Vt potent elVs preCe sIt paX In Libertate

(Jahreszahl: 1951)

Übersetzung:

„Wiederhergestellt unter Kardinal Dr. Theodor Innitzer, über Bemühung von Heinrich Gleißner, durch den Werkmeister Karl Geisz; geweiht der Königin von Österreich, damit durch ihre mächtige Fürbitte Friede sei in Freiheit. 1951“

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